Unsere Stadt: Marl



Marl wurde 890 erstmals im Urbar (Heberegister) des Klosters Werden urkundlich erwähnt. Der heutige Name der Stadt leitet sich aus dem mittelalterlichen Namen „Meronhlare“ her. Aus der Ortsbezeichnung entstanden später im Heberegister des Benediktinerklosters in Werden die Namen „Marlar“, „Maerl“, „Marler“ und schließlich Marl. 1111 erfolgte durch die Familie von Loe die Errichtung der Wasserburg. Sie trug zuerst den Namen „Strevelsloe“, ab 1359 dann „Haus Loe“.

Zwischen 1111 und 1801 gehörte der Ort politisch zum Vest Recklinghausen und war kirchlich und weltlich Teil des Kurfürstentums Köln. Am 31. Oktober 1841 verfügte die Königliche Regierung in Münster die Gründung des Amtes Marl mit den Gemeinden Marl, Dorsten, Hamm und Polsum. Am 1. April 1926 erfolgte die Auflösung des Amtes Recklinghausen und die Eingemeindung mehrerer Orte nach Marl, das somit zum Großamt wurde. Am 20. April 1936 verlieh Freiherr von Lüninck, Oberpräsident der Provinz Westfalen, Marl die Stadtrechte.

Gründung der Zeche Auguste Victoria


August Stein und Julius Schäfer aus Düsseldorf gründeten 1898 die Zeche"Auguste Victoria" mit Sitz in Düsseldorf und übertrugen ihr die beiden Grubenfelder "Hansi 1" und "Hansi 2". 1903 wird der Sitz der Verwaltung nach "Hüls bei Recklinghausen" verlegt. Zuvor hatten am 1. Mai 1900 die Teufarbeiten begonnen. Ende 1905 nahm Schacht AV 1 die Förderung auf. Namengeberin für das Marler Bergwerk war Auguste Victoria (1858 - 1921), die letzte deutsche Kaiserin und Gattin Kaiser Wilhelms II. Seit dem Verbund mit der nach Generalfeldmarschall Graf von Blumethal (1810 - 1900) benannten Recklinghäuser Zeche Blumenthal/Haard führt die Marler Schachtanlage den Namen Auguste Victoria/Blumenthal (AV/BL). Das Bergwerk gehört zu den leistungsfähigen Förderstandorten der Deutschen Steinkohle AG.

Gründung der Zeche Brassert

Im Jahre 1905 erfolgte im Anschluss an die erfolgreichen Bohrungen in Marl die Gründung der "Zeche Brassert", benannt nach Hermann Brassert, dem "Vater" des allgemeinen Berggesetzes von 1865. 1910 wurde die Kohleförderung aufgenommen, in den 50er Jahren arbeiteten bis zu 5 000 Menschen "auf Brassert". Nach Schließung der Zeche 1972 entstand auf gut zwei Dritteln des ehemaligen Zechengeländes in Marl-Brassert das Gewerbegebiet Zechenstraße, ca. ein Drittel nimmt heute das Freizeitgelände Brassert ein. Einige der Zechengebäude blieben erhalten. In der ehemaligen Markenkontrolle haben ein Atelier und das Fahrradbüro der Stadt Marl ihren Platz gefunden.
Die Stadt entstand durch das Zusammenwachsen ehemaliger Dörfer mit den Siedlungen der Bergarbeiter und der Chemiebeschäftigten. Sie hat daher kein historisches Zentrum. In den 1960er und 1970er Jahren wurde ein Stadtzentrum mit Rathaus, Wohnhochhäusern und dem Einkaufszentrum „Marler Stern“ auf der „grünen Wiese“ angelegt.
Am 1. Januar 1975 erfolgte mit der kommunalen Neugliederung die Auflösung des Amtes Marl als Gemeindeverband und die Eingemeindung mehrerer Ortsteile in die Stadt Marl.


Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme Stadtmitte Marl (Stadtkernerweiterung)

Um die bauliche Entwicklung der Stadtmitte zu vervollständigen, lobte die Stadt Marl Anfang 1988 einen Architektenwettbewerb mit dem Titel "Wohnen im Stadtkern Marl" aus. Erster Preisträger dieses Wettbewerbs wurde das Büro Prof. Wolfgang Pohl und Partner aus München / Düsseldorf. Nach dessen Plänen wurde 1994 die sog. Stadtkernerweiterung begonnen, die Halbrundbebauung an der S-Bahn S 9 errichtet und 1998 der nördliche Abschnitt der Bergstraße im Stadtzentrum vollständig umgestaltet. 2005 konnten der neue zentrale Busbahnhof in Betrieb genommen und die Neugestaltung der südlichen Bergstraße abgeschlossen werden.

Eingemeindungen

Am 1. April 1926: Hüls, Lenkerbeck, Löntrop und Sinsen Am 1. Januar 1975: aus dem ehemaligen „Amt Marl“ Teile der Gemeinden Hamm und Polsum sowie aus dem früheren „Amt Haltern“ Teile von Lippramsdorf.

Einwohnerentwicklung

Im Mittelalter und am Beginn der Neuzeit hatte Marl nur wenige hundert Einwohner. Erst mit der Industrialisierung im 20. Jahrhundert wuchs die Bevölkerung der Stadt sehr schnell. Lebten 1900 erst 2.000 Menschen in Marl, so waren es 1939 bereits 35.000. Durch die Eingemeindung mehrerer Ortsteile stieg die Einwohnerzahl der Stadt von 77.000 im Jahre 1974 auf 92.000 am 1. Januar 1975. Am 30. Juni 2005 betrug die „Amtliche Einwohnerzahl“ für Marl nach Fortschreibung des Landesamtes für Datenverarbeitung und Statistik Nordrhein-Westfalen 90.944 (nur Hauptwohnsitze und nach Abgleich mit den anderen Landesämtern).
Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Bei 1600 handelt es sich um eine Schätzung, danach um Volkszählungsergebnisse oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes. Die Angaben beziehen sich ab 1871 auf die „Ortsanwesende Bevölkerung“, ab 1925 auf die Wohnbevölkerung und seit 1987 auf die „Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung“. Vor 1871 wurde die Einwohnerzahl nach uneinheitlichen Erhebungsverfahren ermittelt.


Kennzahlen

Bundesland:
Nordrhein-Westfalen
Regierungsbezirk: Münster, Regionalverband Ruhr
Kreis: Recklinghausen
Koordinaten: 51° 40' N, 7° 07' O
Höhe: 70 m ü. NN
Fläche: 87,69 km⊃2;
Einwohner: 90.944 (30. Juni 2005)
Bevölkerungsdichte: 1.037 Einwohner je km⊃2;
Höchster Punkt: 92 m ü. NN
Niedrigster Punkt: 30 m ü. NN
Stadtgrenze: 54 km
Nord-Süd Ausdehnung: 12 km
West-Ost Ausdehnung: 12,5 km
Postleitzahl: 45768, 45770, 45772
Vorwahlen: 02365
Kfz-Kennzeichen: RE